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Kriegshaber IV verliert zum Auftakt bei Rochade 2½ : 5½

Wir waren ja etwas überraschend aufgestiegen und formierten dazu noch unsere Mannschaft erheblich um: Unsere Nachwuchsspieler waren der Kreisliga 3 definitiv entwachsen und in der Kreisliga 1 sollten sie sich durchbeißen; Unterstützung gab es an den Spitzenbrettern durch Michael und Lothar. Im Gegensatz zur ersten Runde des Vorjahres stand die Mannschaft bereits eine Woche vor dem Spieltermin, auch adäquater Ersatz für zwei Absagen gab es durch Vitalii und Detlev stand auch bereit.

Die Mannschaftsspielstärke in der Kreisliga 1 ist natürlich im Gegensatz zum Vorjahr in der Kreisliga 2 schon deutlich höher, im Schnitt um ca. 150 DWZ-Punkte (die Neuberechnung der DWZ-Zahlen ist dabei schon berücksichtigt). Aber Angst haben gilt nicht, wir haben nichts zu verlieren.

Ich war als Edelkibitz und Mannschaftsführer dabei, kam allerdings etwas spät, konnte genau noch den Anpfiff miterleben.

An Brett 6 musste Christian als erster die Segel streichen; gegen den Mannschaftsführer von Rochade hatte er nicht wirklich etwas entgegenzusetzen, auch in der anschließenden Analyse waren keine Chancen auch nur auf einen halben Punkt erkennbar. Der Gegner war halt an diesem Abend eine Nummer zu groß.

Lothar hatte am Abend zuvor eine der längsten Partien im Zollhaus gespielt, hatte deswegen auch Bedenken, ob er sich noch so ein langes Match antun wollte und bot deswegen an Brett 2 nach 14 Zügen Remis an. Beim ersten Match der neuen Saison wollte sein Gegner aber nicht schon nach 14 Zügen wieder heimgehen und man spielte weiter. In der Folge konnte Lothar seine Stellung langsam aber sicher verbessern (O-Ton seines Gegners: Wenn er mir hier Remis angeboten hätte, hätte ich es sofort angenommen), aber danach kippte die Stellung. Wahrscheinlich war sie in der Folge immer noch auf der Remis-Schiene, aber ein Fehlzug von Lothar bot dem Gegner die Chance auf sofortigen Gewinn.

Michael T. an Brett 4 spielte – soweit ich den Analysen nach der Partie folgen konnte – wohl lange Zeit in Theoriepfaden, wobei sein Gegner wohl die besseren Chancen hatte, vor allem als es ihm gelang, bei Michael die g-Linie vor dem rochierten König zu öffnen. Die folgende Stellung bot dem Spieler mit den schwarzen Steinen die deutlich besseren Optionen, Michaels Dame war überlastet, die ganzen Stellungsschwächen zu stopfen.

„Ich habe eine Stellung auf dem Brett, die ich von Bullet und online-Blitz gut kenne, aber hier spiele ich sie gegen einen mit fast 2100“ – Michael V. hatte am Spitzenbrett einen sehr starken Gegner bekommen; das Mittelspiel war unübersichtlich, erkennbar war, dass der Spieler von Rochade die erheblich besseren Angriffsmöglichkeiten hatte und der reine Verteidigungsmodus ist nicht das Ding von Michael. Es war aber beeindruckend, wie Daniel Birth dann seine Vorteile peu a peu ausbaute und zum Punktgewinn verwandelte. So ab dem 18.Zug hatte er sich bereits leichte Vorteile erspielt, die er immer weiter ausbaute.

Julia hatte auch einen Gegner mit knapp 200 DWZ höherer Einstufung, das irritierte sie aber nicht im Geringsten: sie hielt dagegen, baute ein stabiles Zentrum auf, lange Zeit sah das ausgeglichen aus; es kippte, als das Zentrum auseinanderfiel, danach wurde es immer schwieriger zu verteidigen.

Naja, bei 0 : 5 werden wir das Match nicht mehr hoch gewinnen. Es sah nach einem Debakel aus.

Es war räumlich schwierig, an den Brettern 5 und 6 reinzuschauen ohne die anderen Spieler zu stören; was erkennbar war, dass Nikolas (Brett 5) recht aggressiv spielte und in ein Endspiel mit D+S+L gegen D+T mit zahlreichen Bauern kam; etwas Sorgen bereitete ein gegnerischer Bauer, der bereits auf der 6. Reihe stand. Sorgen allerdings nur für unbedarfte Zuschauer: Nikolas holte den Bauern, tauschte Damen und kam in ein Endspiel mit den beiden Leichtfiguren und 6 gegen 4 Bauern. Er fand dann einen Plan, einen Freibauern vorzustoßen, der bestenfalls gegen ein Turmopfer hätte gestoppt werden können, das sah sich sein Gegner aber nicht mehr an.

Mal einen Blick auf die beiden letzten Bretter: Vitalii (Brett 7) hatte eine Schwäche im Mittelspiel gut kompensieren können und kam in ein Bauernendspiel, bei dem der Gegner zwar einen gedeckten Freibauern hatte, der gegnerische König konnte aber nicht zur Unterstützung kommen und Vitalii hatte im Zentrum eine Bauernmehrheit. Daneben hatte Detlev an Brett 8 ein wildes Endspiel: jeweils 2 Springer, jeweils 1 Turm, jeweils 4 Bauern. Wobei 2 Bauern seiner Gegnerin als verbundene Freibauern auf a- und b-Linie einen sehr häßlichen Eindruck machten. Detlev ließ die Bauern Bauern sein und konzentrierte sich auf den gegnerischen König, den er in ein Mattnetz verwickete (bei dem sich die Kibitze nicht ganz einig waren, ob das matt wirklich zwingend war). Egal, Punkt ist Punkt, nehmen wir.

Bei Vitalii war die Einschätzungso, dass der, der versuchen würde, einen Angriff zu erzwingen, wohl eher verlieren werde. Der gegnerische Mannschaftsführer teilte seinem Spieler den aktuellen Spielstand („5 : 2, wir haben schon gewonnen“) mit und so konnte man sich bald darauf die Hand schütteln.

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