01.08. – Tag 1
21:25: Wie immer wenn hier länger nichts kommt war Action. Erst war Gruppe B fertig, die konnten wir aber noch nicht direkt losen. Dann war Gruppe A fertig, und bevor wir überhaupt mit dem Abglich fertig waren, zack, die Bestätigung aus B, dass wir losen können. Also weiterhetzen. Und seit alles online ist hatte ich mit unserem Jugendlichen Sven direkt noch ein Abenteuer: Aus der Angabe, die Mülltonnen befänden sich „bei den Fahrradständern“ wurde eine Odyssee durch den gesamten Hof und das gesamte Weitblick Gebäude herum. Zweimal. Und den Müll schleppen wir immer noch durch die Gegend. Aber der ist ein Problem für die Morgen-Turnierleitung. Die Heute-Turnierleitung will heim. Und ins Bett. Gute Nacht und bis morgen in aller Frische!
20:01: Schätzungen zum heutigen Kaffeekonsum: Unser Turnierleiter geht davon aus, dass wir schon gut und gerne im zweistelligen Literbereich sein könnten. Und das an Tag Eins! Mal eine generelle Frage an alle (kaffeetrinkenden) Teilnehmerinnen und Teilnehmer… ist alles in Ordnung bei euch? Euer Ruhepuls muss doch langsam gegen 150 tendieren! Und das sage ich, als jemand der sein Koffein aus konzentrierten Chemiedosen bezieht!
19:52: Prallen Welten aufeinander: Während immer mehr Spieler aus dem Turniersaal flüchten, um im Analyseraum aus Fehlern zu lernen oder draußen den Kopf ausrauchen zu lassen, sieht man regelmäßig Mitglieder unseres Orgateams, die um jede Gelegenheit dankbar sind, bei der sie vom stickigen Vorraum in die angenehm klimatisierte Halle abhauen dürfen. Was, wie bitte? Jemand muss mal ganz konzentriert auf ein Brett in Gruppe A schauen, nicken und wieder gehen? Ich bin unterwegs!
19:00: Egal wie oft die Frage kommt, verübeln können wir es echt niemandem: dass man von unserem Spiellokal (5. Stockwerk) erst runter in den 4. muss, anschließend raus auf die „Dach“terrasse und dann wieder Treppen im freien hoch, um über uns zu kommen… ja, das ist definitiv verwirrend.
18:52: Thema witzige Notationen: eine unserer jüngsten Teilnehmerinnen hat ihre Freude über die aktuelle Gesamtsituation ebenfalls auf dem Partieformular festgehalten: in großen Buchstaben und umringt von kleinen Kritzeleien von Bienchen, Sonne und Blumen steht ganz groß das Wort SOMMERFERIEN!!! geschrieben. Das waren noch Zeiten, oder?
18:44: Entweder hat die KI-Weltherrschaft längst begonnen, oder einer unserer Spieler hat spontan seiner kreativen Ader freien Lauf gelassen. Jedenfalls ist auf dem Formular nicht eine ungerade Linie zu finden, jeder Buchstabe, jede Zahl ist wie ich bis man mich näher kennenlernt: voller Ecken und Kanten.
18:37: Durchatmen auf der Dachterrasse ist ein Satz, den ich bei keinem der Vergangenen AFROs bisher sagen konnte. Wenn der Blick beim Schweifen alles zwischen WWK Arena und Inningen bis rüber zur Innenstadt in die andere Richtung gehen kann, vergisst man schon mal zumindest für ein paar Sekunden, dass man gerade um die 13 Stunden am Tag hier im unklimatisierten Vorraum hocken und ackern muss.
17:46: Schach ist eine Möglichkeit, seinen inneren Sadismus rauszulassen. Oder Masochismus, je nach wie man spielt. Dieses Zitat eines unserer Vereinsmitglieder, das dieses Jahr (zum Glücke so mancher Spieler, wenn man sich solche Aussagen anhört) fand ich so schön und treffend für unser schönes Spiel, das musste ich einfach teilen.
17:21: Ich glaube, nicht einmal eineinhalb Stunden nach Rundenbeginn bereits die Formulare voll zu haben und neue zu benötigen könnte neuer AFRO-Rekord sein. Da haben zwei Konkurrenten wohl noch was vor heute Abend.
17:12: Wenn ich ungeplante Extra-Arbeit bekomme kann ich mich meistens wenigstens darüber aufregen, das hilft ja bekanntlich. Nicht so, wenn ich selber Schuld bin, zum Beispiel wenn ich nach einem kurzen Blick auf Google Maps feststelle, der nächste Rewe ist gerade einmal 4 Minuten entfernt, daraufhin sofort entschlossen losstiefle, nur um unterwegs festzustellen, dass die Zeitangabe sich auf Autos bezieht. Habe ich auch erst nach einigen hundert Metern festgestellt, also prompt zurück ins Spiellokal, wieder hoch und peinlich berührt erklären, warum ich weder die Semmeln für den Verkauf, noch mein heiß geliebtes Koffeingetränk dabei habe…
16:06: Wer uns und unsere Turnierleitungsabenteuer kennt weiß: Wenn es hier ruhig wird, ist Stress in der Orga. In diesem Fall war es erst eine Gruppe B zum Abgleichen und Auslosen, bevor ich das überhaupt verkünden konnte war Gruppe A direkt als nächstes fertig und anschließend, als eigentlich Ruhe hier eingekehrt wäre, verkündete unser Oberschiedsrichter (und nebenbei mein Vater, von dessen Account aus ich hier meine ganzen Ergüsse teile), dass er mal ganz kurz an den Rechner muss… das war eine halbe Stunde vor Rundenbeginn… naja. Jetzt bewegen sich wieder Figuren, Köpfe rauchen und Runde 2 ist offiziell am Laufen. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob ich mich der Erschöpfung (an Tag 1, schlechtes Zeichen) hingebe und irgendwo in einer Ecke schlafe oder mir im Rewe am Innovationspark schnell das koffeinhaltigste Getränk, das dort legal verkauft werden darf, hole. Kann es sein, dass ich alt werde?
14:07: In der Physik wurde vor einigen Jahren die bahnbrechende Entdeckung gemacht, dass Quantenteilchen starr werden und sich nicht mehr wie Wellen verhalten, aber erst und nur sobald sie beobachtet werden. Ich habe nun eine ähnlich bahnbrechende Theorie zu Schachturnieren aufgestellt: Wenn ich gerade Hals über Kopf zwischen SwissChess, Onlinepräsenz und gefühlt zehn weiteren Orga-Aufgaben hänge, kommen Ergebnisse zum Eintragen wie im Sekundentakt reingeflattert. Sobald ich aber mal etwas Luft bekomme, durchatmen kann und bereit wäre, entspannt ein paar Ergebnisse reinzustellen, ist tote Hose. Ich glaube, ich bin da was ganz heißem auf der Spur…
13:39: Irgendwann werde ich Anthropologe und finde heraus, warum es für Menschen evolutionsbiologisch sinnvoll war, immer in Gruppen enge Türrahmen und Durchgänge aufzusuchen, um sich genau da längere Zeit zu sozialisieren…
13:30: Ein kurzer Hinweis zum Ablauf heute (ich schreibe ihn auch gleich nochmal auf die zentrale AFRO-Turnierseite, wo alle Links zu finden sind): Runde 2 beginnt heute aufgrund der Verzögerungen vor Turnierbeginn erst um 16:00 Uhr. Ab morgen finden die Nachmittagsrunden wieder regulär wie in der Ausschreibung verkündet um 15:00 Uhr statt!
12:47: Orte, an denen ich unseren obersten Schiedsrichter gefunden habe, als es dringende Schiedsrichterangelegenheiten zu klären gab: die Küche (Butterbrezen schmieren), das hinterste Eck der langen Dachterrasse, unten in den TÜV-Räumlichkeiten, nochmal in der Küche (mehr Butterbrezen!) und unten im Erdgeschoss. Orte, an denen ich ihn noch nicht gefunden habe, wenn er gebraucht wurde: Turniersaal und Turnierleitung. Ich glaube, ich hole mir jetzt so eine Schleppleine…
12:34: In einer Zeit von CO2-Effizienz und Klimaneutralität hält unser Drucker in der Turnierleitung wackerer und kindischer dagegen, als jeder Mittvierziger mit Fridays For Hubraum Sticker am Kofferraum: Jeder Druckvorgang beginnt mit einer längeren Zeit des Aufwärmens (wenn man denn das Röcheln und Pusten des Gerätes so deuten mag), das Ausdrucken selbst nimmt nur einen Bruchteil dieser Zeit in Kauf. Nach jedem Mal wirft außerdem wohl ein kleines Männchen im Inneren eine Münze, ob wieder „gereinigt“ (also noch mehr geröchelt) werden muss und wenn man den Geräuschpegel und die vom Gerät abstrahlende Wärme so spürt, erblasst vor dem Stromverbrauch vermutlich jede mobile Klimaanlage in deutschen Dachgeschössern. Jeder von uns verträgt den heißen Sommer anders, das gilt wohl auch für Drucker…
12:26: Wieder was gelernt: Die Tür zwischen Turniersaal und Vorraum sollten wir – soweit möglich – die ganze Zeit offen lassen. Andernfalls kann es nämlich leicht passieren, dass man vor verschlossener Tür steht und nicht mehr an sein Brett kommt. Woher ich das weiß, verrate ich mal nicht, aber die leicht panischen Blicke gerade eben vergesse ich nicht so schnell. Gut, dass sie von innen wohl weiterhin öffnet, sonst hätte ich mittlerweile ebenfalls einen recht verzweifelten Blick im Gesicht. Aber irgendein ungutes Bauchgefühl sagt mir jetzt schon, dass wir irgendwann mit versammelter Mannschaft vor der Tür stehen und eine der Nachmittagsrunden sich verzögern wird…
11:49: Nachdem die Technik vor Ort jetzt zu klappen scheint (irgendjemand vom Team hat die Bildschirme zum Funktionieren gebracht – ich war’s nicht!) wird sich jetzt um die Technik online gekümmert – in all dem Chaos ist die Chessresults-Verlinkung etwas untergegangen, aber in wenigen Minuten dürften die Links dazu auch online sein. Ab dann gilt für uns hier in der Orga: Zurück zum völlig normalen Turnierwahnsinn.
11:18: Dass das AFRO mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen ist merkt man recht schnell, speziell im Vergleich zu früher: Während wir vor weniger Jahren als ich gerne zugeben würde noch die Turnierleitung mit einem Windows XP (!) Rechner durchführten, arbeiten wir im Jahre 2026 mit mehreren Geräten, alle aus diesem Jahrzehnt, wir haben Display-Bildschirme (die ich nach wie vor nicht bedienen kann, aber kommt ganz sicher noch), eine Liveübertragung der ersten 4 Bretter und sogar einen kommentierten Twitch-Livestream der Spiele von CM Emanuel Högl! Ach ja, und mein Geschwätz hier gibt es auch noch, aber in einer Welt mit Livestreams und DGT-Brettübertragungen ist das vermutlich mehr eine Beschäftigungstherapie für mich als wirklich für die Allgemeinheit interessant (Lesen ist ja sooooo 2025…)
10:48: Etwas mehr zur Location: Von der namensgebenden Aussicht im Weitblick habe ich bereits erzählt. Doch unser diesjähriges Spiellokal hat noch einiges mehr zu bieten: Während die Klimaanlage in Stadtbergen letztes Jahr bestenfalls dekorativ und schlicht und einfach schwer überfordert war, werden wir hier unabhängig von Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit entspannt bei knapp 20°C gehalten. Wobei „wir“ etwas übertrieben ist, das Spiellokal ist schön gekühlt, hier im Vorraum, wo die Turnierleitung sitzt, wird es schon wärmer und stickiger, aber es ist aushaltbar. Noch. Und zum Auslüften steht uns eine Etage tiefer eine Terrasse zur Verfügung, von der man noch oben aufs Dach kommt und dieses einmal überqueren kann, für einen 360° Rundumblick. Vielleicht komme ich sogar über die für mein Alter recht untypische technische Inkompetenz hinweg und schaffe es, Auslosungen und Ranglisten auf die hier verfügbaren großen Bildschirme zu stellen. Wenn das nicht klappt finde ich vielleicht noch ein lustiges Katzenbild, weil ungenutzt lassen will ich die wirklich nicht…
10:30: Und da sind wir wieder! Das Augsburger Friedensfest Open 2026 ist endlich eröffnet und wir machen uns weiterhin einen Ruf als der schachspielende Wanderzirkus: Nach Neusäß und Stadtbergen haben wir uns dieses Jahr mal wieder daran erinnert, dass wir ja das AUGSBURGER Friedensfest Open sind und nicht das Augsburg-und-nähere-Umgebung-Open – die feiern nämlich gar kein Friedensfest! Nun sind wir wieder auf städtischem Boden unterwegs… wobei „Boden“ es auch nicht ganz trifft: in luftiger Höhe im Café Weitblick an der B17 haben wir einen Blick in quasi alle Richtungen und über die halbe Stadt, inklusive ins Wohnzimmer des FC Augsburg, die WWK Arena. Mehr Augsburg geht wohl kaum! Und mittlerweile ist hier nach dem üblichen Tohuwabohu (ich helfe beim AFRO mit seit ich ungefähr 12 war – das erste Spiel am ersten Tag pünktlich um 9:30 beginnend habe ich noch nie gesehen. Also alles beim Alten… bloß etwas schicker!
Ist ja wunderbar, dass alles beim Alten ist, also gut läuft und das Turnier gut begonnen hat .
Wo finde ich die Startrangliste, Paarungen und Ergebnisse der Gruppe A und B?
Herzlichen Dank für alle Bemühungen und
viel Freude beim normalen Turnierwahnsinn!
Wann geht es denn weiter? 15:00 Uhr oder 15:30 Uhr wie anvisiert?