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Zweite gewinnt gegen Nördlingen

Seit es das Schachspiel gibt, wird die Frage gestellt, ob es nun als Kunst, Wissenschaft, Sport oder doch als etwas gänzlich Anderes zu betrachten sei. Emanuel Lasker sah im Schach vor allem Kampf, woran der Menschen beim Schach am meisten Ergötzung finde. Die Person, die auf dem Meldezettel neben meinem Namen stand, und die man je nach Sichtweise als meinen Gegner, meinen Koautor, meinen Mitwirkenden oder als doch jemand gänzlich Anderen bezeichnen mag, hatte mir gleich den Kampfaspekt nicht so richtig verinnerlicht, und so konnte die Partie sogar ein ungenannt bleibender wollender Zuschauer anhand des Notationsformulars bis zum Remisschluß nachvollziehen.
Das war jedoch trotz ihrer Kürze nicht die erste Partie, deren Ergebnis auf dem Berichtsbogen eingetragen wurde, da Thilos Spielpartner angekündigt nicht antrat. Kurz nach meiner Partie kam es bei Vladimir aus ähnlichen Gründen wie bei mir zur Punkteteilung. Danach wurde es aber zäh, und die Partien zogen sich hin. Ich kann mich der genauen Chronologie der Ereignisse nicht mehr entsinnen, darum werde ich die weiteren Geschehnisse einfach den Brettnummern nach wiederzugeben versuchen.
Am ersten Brett verteidigte sich Martin modern, wogegen sein Gegenüber aggressiv vorzugehen versuchte. Dabei schien er einen Bauern geopfert zu haben, wofür Martins König noch in der Mitte geblieben war. Auch im weiteren Verlauf der Partie hatte ich nicht den Eindruck, Martin schwebe in Gefahr; im Gegenteil, als ich mich auf den Weg nach Hause machte, hatte er zwei Bauern bei ungefährdeter Stellung, allerdings mit ungleichfarbigen Läufern und reduziertem Material, mehr. Die verteidigende Seite war anscheinend auf der Höhe, denn dem Ligamanager entnahm ich, daß der Punkt hälftig geteilt wurde.
Am fünften Brett hatte Helmut eine seiner geliebten, fast, aber auch nur fast ausgeglichenen Stellungen auf dem Brett, aus denen er schon unzählige Punkte geholt hatte. Hier fanden sich irgendwann ein weißer Turm auf c1, ein zweiter weißer Turm auf d2 und ein weißer König auf f4 ein. Nachdem sich ein schwarzer Läufer auf den Weg nach f8 gemacht hatte, war das Gedränge auf der Diagonale von c1 nach h6 zu groß, und dem Weißen kam eine Qualität abhanden. Den Rest behandelte Helmut souverän.
Viktor am sechsten Brett fügte den anfänglich diskutierten Aspekten des Schachs noch eine juristische Komponente hinzu. Eventuell aus Respekt vor Regressansprüchen führte er als Weißer viele prophylaktische Züge aus und überließ dem Schwarzen ein gute Stellung. Irgendwie gelang es ihm aber, einen versteckten Paragraphen zur Anwendung zu bringen und seinen Gegner zum Opfern einer Figur zu verleiten. Nach Rückgabe der Figur war das Turmendspiel dann leicht gewonnen.
Das siebte Brett wurde von Lothar verwaltet, der dort eine zähe, geschlossene Stellung recht schnell in ein gerechtes Remis führte.
Der Kampfaspekt des Schachs wurde am achten Brett in der Partie von Detlev voll ausgelebt. In der Eröffnung wurde er schwer zurückgedrängt, aber er schaffte es, sich zu befreien und einen Angriff im modernen Stil mit dem h-Bauern zu starten. Was dann genau passierte, habe ich auch in der Analyse nicht genau gesehen; ich kann mich noch an ein paar hübsche Durchbruchsmotive schwarzer Bauern auf dem Damenflügel erinnern. Das entlockte auch dem namentlich nicht genannt werden wollenden Kiebitz, der manchen Lesern auch durch seine Endspielkenntnisse und seine mitunter trübe Rübe bekannt sein dürfte, ein amüsiertes Lächeln.
Nun stehen wir mit 5:3 Punkten auf dem dritten Platz der Schwabenliga II Nord. Letzte Saison sind wir mit 5:x Punkten abgestiegen; vielleicht reichen diese Saison auch y:3 Punkte zum Aufstieg.

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