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Bericht zum Mannschaftskampf: Kriegshaber vs. Gröbenzell


Am 07.12.2025 ging es nach Gröbenzell. Wir fuhren gemeinsam von Augsburg mit dem Zug, und die Spieler aus München direkt, denn sie hatten – schon wieder, letzte Runde war gegen den Münchner SC – den kürzeren Anfahrtsweg. In einem schönen Spiellokal ging es pünktlich um 10 Uhr los. Wir hatten eine starke Mannschaft am Start und waren (trotz der Ersatzspieler: Hans und ich) nur 30 DWZ-Punkte im Schnitt hinten. Unsere Gegner waren mit ihrer Stammbesetzung da. Besonders für die hinteren Bretter von Vorteil, da die Vorbereitung nicht umsonst war.


Einzelne Berichte

Brett 1
Kaunzinger, Albert – Testor, Sebastian 0 – 1

„Weiß kam früh in Besitz des Läuferpaars und zu Vorteil. Dann kam es aber doch zu schwer einzuschätzenden Verwicklungen. Bei Zeitknappheit stellte aber dann Schwarz einzügig die Partie ein.“ – Sebastian.

Der Gegner wählte eine passive Eröffnung (Untervariante des Benoni) und der typische Angriff am Damenflügel für Schwarz blieb aus. Die Stellung war aber geschlossen und somit das Läuferpaar nicht effektiv. Der Springer vom Gröbenzeller hatte auch keinen Vorposten. Dann öffnete der Gegner selbst die Stellung – grundsätzlich keine gute Idee gegen das Läuferpaar. Es kam zu einer komplexen Bauernstellung und beide Könige verloren ihren Bauernschutz. Doch auch wenn der Vorteil auf dem Brett unklar war, hatte Sebastian die bessere Uhr. Der Gegner übersah einen einfachen Doppelangriff und gab auf.


Brett 2
Pieper, Thomas, Dr. – Demel, Paul ½ – ½

Paul spielte eine unter Großmeistern beliebte Caro-Kann-Variante (mit entgegengesetzten Rochaden), die für beide Seiten große Risiken, aber auch Siegchancen bietet. Der Gegner zeigte aber seine taktische Kompetenz, und nach einem erzwungenen Großabtausch verblieb der Kontrahent mit zwei entfernten, verbundenen Freibauern. Nach allgemeiner Einschätzung (viele waren schon fertig) war nichts mehr für Paul zu holen. Als ich das nächste Mal wieder reinschaute, war aber alles ganz anders. Zwar musste unser Spieler eine Figur opfern, um die Umwandlung in die Dame zu verhindern. Der Gegner hatte aber nur noch einen ungeschützten Bauern und Springer. Der Springer des Gegners war mit den restlichen Bauern von Paul beschäftigt, und als auch noch der letzte Bauer fiel, einigte man sich auf Remis.


Brett 3
Heinisch, Niklas – Kudrytsky, Stanislav 1 – 0

Stanislav spielte Katalanisch (mit d4) gegen Slawisch. Nach der Eröffnung fand der Gegner ein starkes Figurenopfer (Lxh3!!), was ihm einen Mehrbauern einbrachte. Stanislav kämpfte noch lange weiter, aber der Gegner konnte den vollen Punkt verwerten. Sehr schade, weil es für Stanislav gerade nicht so gut in der Liga läuft, aber ich bin mir sicher, dass er weiterhin volle Leistung zeigen kann und mental stark ist. Es ist dann auch immer ein großer Trost, wenn die Mannschaft trotzdem gewinnt!


Brett 4
Grawe, Christian – Kamenskyi, Dmytro ½ – ½

Die wohl langweiligste Partie des Tages. Nach einer Standard-Franzosenpartie (Rubinstein) wurde alles abgetauscht. Es verblieben nur ein Springer für Dmytro und ein Läufer für den Gegner plus jeweils Bauern. Natürlich wurde dennoch von beiden Spielern weitergespielt und alles versucht. Die Stellung mag zwar objektiv Remis sein, aber auf unserem Niveau passieren häufig Fehler, durch die man auch in solchen Stellungen gewinnen kann. Als keine großen Fehler nach langer Zeit gemacht wurden und unsere Mannschaft vorne lag, machte Dmytro Remis.


Brett 5
Kindtner, Ulrich – Reis, Thomas ½ – ½

„Nachdem mein Kontrahent mit Schwarz eine Eröffnungsvariante spielte, in der ich mich nicht so zu Hause fühlte (ich war zwar auf Modern Defense vorbereitet, nicht aber auf diese Variante), spielte ich mit Weiß nach der Eröffnung ziemlich ambitionslos und sehr auf Sicherheit bedacht.
Als mein Gegner allerdings etwas mehr wollte und seine Bauern am Königsflügel vorschob, ergaben sich gute Gegenchancen für mich am Damenflügel (verdient hatte ich das eigentlich nicht, nach der sehr zahmen Eröffnungsbehandlung mit Weiß).

Schließlich landeten wir nach der Zeitkontrolle in einem sehr dynamischen, für mich besseren Dame-und-Läufer-plus-Bauern-gegen-Dame-und-Läufer-plus-Bauern-Endspiel, in dem ich Dauerschach gab, um das Mannschaftsmatch abzusichern (das war das 4,5 – 2,5). Hans spielte zu diesem Zeitpunkt noch.“ – Bericht von Thomas.

Da ich sicher keine besseren Worte gefunden hätte, füge ich auch nichts hinzu.


Brett 6
Golder, Waldemar – Bintakies, Michael 0 – 1

Jetzt geht es an die hinteren Bretter: Das war schon immer die große Stärke unseres Vereins, da wir eine ausgeglichene Mannschaft stellen. Michael spielte seine geplante Eröffnung. Der Gegner tauschte Michaels Fianchetto-Läufer [fi̯aŋˈkɛto] ab, was zu Felderschwächen am Königsflügel führte. Dort nistete sich auch die Dame ein und Michael wurde von immer mehr Figuren belästigt. Doch der Gegner übertrieb es, und als er alle Figuren nach vorne warf, verblieb der eigene König ohne Schutz. Als der letzte Verteidigungsbauer auch noch nach vorne preschte, konnte Michael äußerst simpel matt geben.


Brett 7
Shahin, Walid – Reschka, Hans 0 – 1

Die längste Partie des Tages. Wir hatten bereits gewonnen (siehe oben), und Hans spielte noch eisern und unbeirrt weiter. Das vollkommen zu Recht: Die Unart, nach gewonnenem (oder verlorenem) Mannschaftskampf Remis zu machen, ist Hans – und auch mir – fremd. Hier geht es nicht nur um wichtige Brettpunkte für die Tabelle, sondern auch für das eigene Spiel, und Hans stand immer gut in der Partie. Nach einer merkwürdigen Eröffnung des Gegners (äußerst passiv) hatte Hans stets massiven Raumvorteil. Seine Figuren waren aktiver, und infolgedessen gewann er einen Bauern. In der beidseitigen Zeitnotphase (alle Zeit war aufgebraucht) musste sein Gegner sich an zwei Fronten verteidigen: gegen den Mehrbauern, der jetzt ein entfernter Freibauer war, und den Angriff der Türme auf den König. Der Gegner übersah dann nach stundenlangem Spiel einen recht simplen Abzugsangriff und kapitulierte. (Wie ich auch immer sage, gewinnt man Partien durch Taktiken, und auch an diesem Ligatag zeigte sich, dass alle verlorenen Partien auf Taktiken beruhten.)


Brett 8
Schrader, Jan-Erik – Kling, Maximilian 0 – 1

Meine eigene Partie war die kürzeste. Durch die geniale Eröffnungsvorbereitung von Dmytro (Vorstoßfranzose mit frühem a3 von Weiß) war ich bestens gewappnet. Mein Gegner blitzte unbedarft die Eröffnungszüge raus und stand schon nach wenigen Zügen (mit 1:33 h auf der Uhr) deutlich schlechter. Natürlich machte ich selbst dann einen großen taktischen und zugleich strategischen Fehler und ermöglichte dem Gegner, meinen gewonnenen Mehrbauern auf einfachste Weise zu blockieren und meine Figuren in die Passivität zu verdammen. Doch meinem Gegner fehlte die notwendige Resilienz, und man merkte an Mimik und Körpersprache, dass er keine große Lust hatte, heute Schach zu spielen. Das ermöglichte mir dann auch, meine Figuren zu aktivieren und meinen Mehrbauern vorrücken zu lassen. Er war gezwungen, eine Figur zu opfern. Die Verwertung zum Sieg erfolgte schnell, und ich konnte schon nach circa zwei Stunden den Sieg vermelden. Natürlich war das nur der Beginn des langen Wartens, bis endlich Hans fertig war 🙂


Damit gewannen wir 5,5 zu 2,5 in Gröbenzell. Ein wichtiger Sieg nach dem anderen. Wir fanden uns dann im Anschluss in dem praktisch gelegenen Restaurant (im Erdgeschoss des Spiellokals) ein und genossen unser Siegeressen. Im überfüllten Zug Richtung Augsburg endete dann dieser erfolgreiche Tag für die 1. Mannschaft des SK Kriegshaber.

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