Wenn’s läuft, dann läuft’s!
Am Vortag vor dem Mannschaftskampf hatten wir ja ein Schnellschachturnier, und da haben meine Gegner netterweise kollektiv alles darangesetzt, dass ich auf Platz 1 landete. Zeitüberschreitung, Dameneinsteller, einzügiges Matt. Beim Mannschaftskampf wurde ich dann schonend unterrichtet, dass mein Gegner nicht antreten wird, also kampfloses 1 : 0.
Wie gesagt: Wenn’s läuft, dann läuft`s.
Andererseits: Ist ja ein ganz schlechtes Omen für den Mannschaftskampf, wenn ich frühzeitig punkte. Heute allerdings nicht. Nach der Eröffnung bin ich mal eine Rund spazieren gegangen (denn das Spiellokal war schon etwas eng, der Nebenraum belegt). Als ich wieder zurückkam, eine kurze Runde: Brett 1, Michael, ausgeglichen mit leichten Vorteilen für Michael, Brett 2, Stefan, 1 Mehrbauer, wie immer eine Stellung, die sich mir nicht wirklich erschließt. Brett 4, Detlev: entfernter Mehrfreibauer im T/L-Endspiel, schaut gut aus. – Während ich bei Detlev reinschaue verändert sich die Stellung dramatisch zu unseren Gunsten: Turmtausch, Freibauer wandert bis zu 6. Linie, Könígsopposition, kurz darauf Gewinn: 1 : 0.
Brett 5 Christian: Mehrfigur (theoretisch, denn bei ihm spielen T+L noch nicht mit), irgendwie alles sehr eng um den unrochierten König herum. Brett 6 Peter steht klasse, ein Riesen-Zentrum mit Läuferpaar und Bauernmacht. Hier merke ich schon mal dezent einen wahrscheinlichen Punkt vor. Brett 7: Michael spielt eine tolle Anfgriffspartie, der gegnerische König steht schon mal luftig ohne wesentlichen Bauernschutz im Eck und Michael drückt immer weiter. Ich notiere eine weiteren wahrscheinlichen Punkt. Da sollte nichts mehr anbrennen. Brett 8: Volodymyr spielt gegen Valeria Rusovski. Genau. „Unsere Valeria“. Naja jetzt nicht mehr. Die von Caissa lassen ja nicht aus, ausgerechnet eine Spielerin aus unserer Jugend gegen uns. Und wie stehts? Volodymr hat zwar eine Qualität mehr aber seine Bauernstruktur ist praktisch nicht mehr vorhanden. Knifflig!
Christian schafft es, die ganzen Verwicklungen aufzulösen, seinen König in Sicherheit zu rochieren und als dann mit einem Zwischenschach eine zweite Figur abhanden kommt, gibt sein Gegner auf. Fast zeitgleich hat Michael T. seinen Angriff zu Ende gefahren und den Punkt kassiert. Am Rande: Seine Stellungen kannte ich aus diversen Aufgaben im Taktikheft, er spielte das mustergültig runter.
Zwischenstand: 4 : 0 für uns. Michael V. kommt zu mir (hat sich mit Brummschädel soweit durchgekämpft), aber jetzt macht er auf Angebot des Gegners remis. Wir haben somit auf alle Fälle gewonnen. Geht doch!
Peter ist jetzt ebenfalls klar auf der Siegerstraße, das will sich sein Gegner auch nicht mehr zeigen lassen und reicht die Hand zur Aufgabe.
Volodymyr hat seine Chancen überschätzt (oder seine Gegnerin unterschätzt?), jetzt hat er Qualität und etliche Bauern weniger. Erkämpft lange Zeit unverdrossen tapfer weiter, aber dieses Endspiel ist nicht mehr zu halten. Der Ehrenpunkt geht an Caissa.
Die letzte Partie des Abends beendet Stefan, der sich immer mehr Vorteile erspielt hat, Materialvorteil, Stellungsvorteil, Zeitvorteil. So kann er zum 6½ : 1½ für uns das Match beenden.
Wie gesagt: Wenn’s läuft, dann läuft’s!
Naja, noch a bisserl was um den Mannschaftskampf herum: Als wir (10 Minuten vor der Zeit ist des Schachspielers Pünktlichkeit!) kurz vor sechs vor dem Spielraum in der Kresslesmühle eintreffen, ist der Raum erst mal belegt. Hat wohl was mit der Reservierung nicht geklappt. Die Meldekärtchen für den Mannschaftskampf waren auch nicht zu finden, zum Glück hatte ich einen Schreibblock dabei, so dass wir einen Meldezettel auf die Schnelle basteln konnten. Aber was in der Kresslesmühle etwas die Euphorie dämpft, das sind die Getränkepreise: 5,40 EUR für 0,3 l. Spezi finde ich ja schon happig. Für 2 Spezi dort kann man bei uns einen halben Kasten Spezi haben und reinkippen. Memo an mich: nächstes mal in die Kresslesmühle selber Getränk mitbringen!
| 2 | Caissa 3 | DWZ | – | Kriegshaber 4 | DWZ | 1½ – 6½ | ||
| 1 | 1 | Förster, Marc | 1565 | – | 1 | Voß, Michael | 1886 | ½ – ½ |
| 2 | 3 | Müller, Sven | 1608 | – | 2 | Singl, Stefan | 1692 | 0 – 1 |
| 3 | 4 | Hohoff, Andreas | 1708 | – | 3 | Frank, Eckhardt | 1642 | – – + |
| 4 | 5 | Sedelmayr, Werner | 1532 | – | 4 | Keymling, Detlev Jürgen, Dr. | 1510 | 0 – 1 |
| 5 | 8 | Sigl, Eduard | 1535 | – | 5 | Hilfrich, Christian | 1387 | 0 – 1 |
| 6 | 9 | Sigl, Dietmar | 1485 | – | 13 | Knipfer, Peter | 1650 | 0 – 1 |
| 7 | 14 | Raman, Murad | 1497 | – | 15 | Trimpl, Michael | 1583 | 0 – 1 |
| 8 | 21 | Rusovski, Valeria | 1480 | – | 44 | Soloviov, Volodymyr | 1695 | 1 – 0 |
Wir sind ja nach wie vor letzter, aber es schaut jetzt doch schon deutlich netter aus. Irgendwie liegt zwischen Platz 3 und 6 alles recht eng beieinander. Wird ne spannende letzte Runde!
| Rang | Mannschaft | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | MPkt | BPkt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Schachfreunde Augsburg 5 | ** | 4 | 6 | 5 | 6 | 7 – 1 | 21,0 – 11,0 | |
| 2. | Göggingen 2 | 4 | ** | 3 | 5 | 4½ | 5 – 3 | 16,5 – 15,5 | |
| 3. | Mering 2 | 2 | 5 | ** | 5½ | 3½ | 4 – 4 | 16,0 – 16,0 | |
| 4. | SGA 2 | 3 | 2½ | ** | 4 | 4½ | 3 – 5 | 14,0 – 18,0 | |
| 5. | Caissa 3 | 3 | 4½ | 4 | ** | 1½ | 3 – 5 | 13,0 – 19,0 | |
| 6. | Kriegshaber 4 | 2 | 3½ | 3½ | 6½ | ** | 2 – 6 | 15,5 – 16,5 |