Wahrscheinlich hilft nur ein gewisses Maß an Galgenhumor, aber es ist halt leider so: 3½ : 4½ Niederlagen sind zwar knapp und nahe dran am Punktgewinn, aber letztendlich ist nahe dran eben auch vorbei.
Aufgefällig war, dass unsere Gegner gerade anfangs sich viel Zeit ließen: An fünf Brettern hatten die Gögginger nach 6-7 Zügen bereits 1/2 Stunde verbraucht. Entweder spielen wir zu viel RAPID und Blitz oder die gehen sorgfältiger in ihre Begegnungen.
A propos sorgfältig: Ich hatte ja sowas von keinen Plan, dachte bei d4 über f5 oder Sf6 nach und spielte dann völlig unüberlegt 1. … d5. So ging es dann weiter, nach 5 Zügen hatte ich zwei Tempi weniger, nach 10 Zügen stand ich total gedrückt und konnte nur noch reagieren. Kein eigener Plan. Naja, ich hab mich und meinen Gegner dann noch über eine Stunde lang gequält, ehe ich matt wurde. Irgendwie hatte auch Rosi an Brett 5 keine rechte Inspiration, die Partie verflachte recht schnell zu einem T+7B Endspiel, bei dem jeder so viel Angst vor dem Verlieren hatte, dass man sich auf remis einigte. Im Analysebereich wurde die Remisstellung dann noch stundenlang gestresst und durch den Analysewolf gedreht. Wahrscheinlich hat mir Detlev vom benachbarten Brett 4 zu lange zugeschaut, erst hätte ich seine Stellung ausgeglichen eingeschätzt, als er dann ganz schnell auf die Verliererstraße geriet. Keine Einschätzung traue ich mich wie immer bei Stefan an Brett 2 gegen Altmeister Pitl. Stefan hatte wie immer die Mitte mehr oder weniger preisgegeben, dafür sich an beiden Seiten mit seinen Figuren platziert, aber offensichtlich war der Plan des Göggingers Erfolg versprechender.
3½ zu ½ hinten, das kann ja heiter werden. Schaun wir mal herum: Am Spitzenbrett steht Michael klar besser, zwei Mehrbauern, besseres Figurenspiel und ein aktiver König. Das war dann schon cool, dass er immer wieder mal scheinbar eine Figur hängen ließ, aber stets um den Preis einer Bauernumwandlung, die dann irgendwann nicht mehr zu verhindern war. Immerhin ein Anschlusstreffer.
An Brett 8 hatte Johann einen Bauern gewonnen, allerdings war das Brett noch nahezu komplett; im Rugby heißt so eine Stellung wohl „Gedränge“, aber irgendwie ging es auch nicht so richtig weiter. Der gegnerische König im Zentrum, vor der eigenen (rochierten) Königsstellung steht ein Bauer auf h3 ziemlich unangenehm, man kann schlecht sehen, wer von beiden durchkommen könnte, wo und wie. Geht aber doch. Dauert halt. Und auf einmal läuft bei Johann die Angriffsmaschine rund und er kann den Punkt vermelden.
„Setz mich nicht unter Druck!“. Christian an Brett 5 fragt nach dem Zwischenstand. 2½ : 3½. Nicht gut. Eine schwierige Stellung, Schwerfiguren, ein Springer, ein paar Bauern. Remis wäre wahrscheinlich ok. Allerdings setzt danach Christian etwas kompliziert fort, (sieht einmal eine Gewinnvariante nicht wenn ich mich nichtg verschaut habe) und verliert einen entfernten Bauern. Bauernendspiel, K+3B gegen K+4B mit dem entfernten Freibauern. Nicht zu halten. Christian versucht zwar sein Möglichstes, aber das Match ist gelaufen.
An Brett 8 hat Stefan leichte Vorteile, sieht aber schwierig aus zu gewinnen. Allerdings hat der Gegner schon recht viel Zeit verbraucht, was in einer schwierigen Stellung ein Handicap darstellt. Stefan kann seine Vorteile verbessern, kommt in eine Siegerstellung und der Gegner gibt auf.
Knappes Ergebnis, halt leider gegen uns.
